Newsletter 07.09.2012 | Autotest des Online Magazins motorline.cc


 

Bericht: Rainer Behounek

Fotos: Maximilian Lottmann

 

 

Tage des Donners

 

Ohne Zweifel ist er der brachialste Supersportler der heutigen Zeit.

Kaputt gemacht haben wir den Lamborghini Aventador nicht, er uns aber schon.

 

Die Garage geht auf und mit ihr die Sonne im Herzen eines jeden Autojunkies.

Unweit von den Lichtstrahlen entfernt, steht ruhig und im Schatten das orangefarbene Biest.

Ein mulmiges Gefühl macht sich breit - als ob er einen sehen könnte, steht der Lamborghini

Aventador vor einem und flößt augenblicklich Ehrfurcht ein. Eines ist sicher, man nähert

sich dem 700 PS starken Supersportwagen mit gehörigem Respekt.

 

Dieser rohe Ausdruck, umhüllt von sagenhafter Schönheit, die gespannte Form, so vorbereitet

wie ein lauernder, zum Sprung bereiter Gepard im Gras. Auch wenn er den starken, unumstößlichen

Stier im Wappen hat, der Lamborghini ist ein agiler, ausdauernder Sprinter, der mehr denn je

Luxus und Schnelligkeit zu einem homogenen Gesamtkonzept verbindet.

 

Würde man ihn mit Kunst vergleichen, er wäre eine Mischung aus Jackson Pollock mit Leonardo

DaVinci, bei der Musik Prodigy und Johann Sebastian Bach und beim Sport Kickboxen und Sex.

Die Gegensätze, die sich im Aventador widerspiegeln, machen ihn so einzigartig. Die Mischung

die niemand für möglich hielt, wo jeder meinte: „Das geht nicht. Das entspricht nicht der Norm.“

„Das“ haben die von Audi geführten Italiener genommen und daraus eine Kampfansage gezaubert,

an der noch Jahre später die bloßgestellte Konkurrenz zu beißen hat.

 

So viel Emotion auf so wenig Raum, der Lamborghini Aventador misst 4,78 Meter in der Länge,

2,03 Meter in der Breite und 1,14 Meter in der Höhe und wirkt dennoch so vereinnahmend wie ein

Flugzeugträger im Heimpool.

 

Die Linien, die Kanten und Winkel sind futuristisch und so perfekt geschmiedet wie ein Samurai-

Schwert. Dass der Aventador genauso messerscharf und präzise ist, erfährt man, sobald man ins

Innere eintaucht, da muss das V12-Monster noch gar nicht aus seinem Schlaf geweckt werden.

 

Die Materialien sind vom feinsten, die Technik am neuesten Stand. Hier drin kann man jede Menge

Kohle liegen lassen, wenn man will. Praktisch alles lässt sich individuell gestalten und damit

meinen wir keine Individualisierungsprogramme à la „Family“, „Elegance“ oder „Hip“. Nähte, Leder,

Oberflächen, Gravierungen – der Aventador wird zum italienischen Maßanzug. Und genauso perfekt

sitzt er auch, solange man es nicht im Kreuz oder in den Knien hat. Größe und Gewicht sind

erstaunlicherweise egal, aber man sitzt so tief, dass man in der Zusatzausstattung kurz nach dem

Knopf sucht, der einen vom Keller ins Obergeschoss hievt.

 

Am liebsten würde man ihn einrahmen, aufhängen, in flüssiges Gold tauchen, vor den Kamin

aufstellen und stundenlang, ja tagelang anstarren. Sicher wird der eine oder andere Aventador

selten das Tageslicht erblicken und die meiste Zeit verschlossen im klimatisierten Sammlerraum

verbringen, beim Kaufpreis von 390.000 Euro plus reden wir von Personen, die diese Zahl aufbringen

können, ohne in die Knie zu gehen, und die es sich möglicherweise auch zeitlich leisten können,

ihn tagelang anzustarren.

 

Aber wie bei der Kunst umgibt auch manche Automobile die erhabene Erscheinung völliger individueller

Reinheit, die jede Diskussion über den Preis im Keim ersticken lässt.

 

Apropos ersticken, darin ist der Aventador, wenn es um die Konkurrenz geht, gut und gnadenlos.

Die Eckdaten: V12, 6,5 Liter Hubraum, 700 PS bei 8.250 U/min, 690 Nm bei 5.500, 0-100 km/h 2,9 Sekunden,

0-200 in 8,9 Sekunden, 0-200-0 in 14,2 Sekunden („Sport Auto“-Messung), Höchstgeschwindigkeit 350 km/h.

 

Das sind die Daten - wie sie sich anfühlen lesen Sie hier.

 



Lamborghini Aventador - im Test | 27.08.2012

 

Tränenreiches Erlebnis

Datenschutzinfo Autohaus-Chef Gerhard Priewasser, der in Ried auch eine Lamborghini-Servicestelle führt

und den Vorgänger Murcielago liebevoll „Mursi“ nennt, erzählt: „Heute gehen die Hersteller immer mehr

in Richtung Downsizing, kleine Motoren mit Turbo. Lamborghini hat sich für einen anderen Weg entschieden,

die haben gegenüber dem Mursi den V12 nochmals größer gebaut, um die auftretenden Hitzen und Kräfte besser

unter Kontrolle zu bekommen. Nix Turbo, nix klein, roher, unverfälschter 12-Zylinder-Motor in V-Anordnung,

etwas Besseres gibt es nicht.“

 

Der Pool an Superlativen hebt den Lamborghini Aventador so weit von der Straße ab, dass man eigentlich

einen Flugschein bräuchte. Und auch wenn er nicht fliegen kann, ein zusätzlicher Flugschein wäre nicht

schlecht. Ein Waffenschein auch nicht. Und ein Kurs in Nuklearphysik, bemannter Raumfahrt, militärischem

Nahkampf und Angstprävention ist sicher auch etwas, das man in Betracht ziehen sollte, bevor man die

Abdeckung des Start-Knopfes nach oben klappt.

 

Das sollte man übrigens nur dann machen, wenn man ganz genau weiß, was man tut. So oft trifft man

Entscheidungen aus dem Bauch heraus, diese jedoch sollte mit dem Kopf erfolgen – sie muss.

 

Der Startknopf aktiviert nicht bloß den hochtrabenden V12-Nachbrenner, er aktiviert eine völlig neue Art

zu Fahren, die neben dem Genick auch die aufgestellten Nackenhaare bricht, die einen alles herum vergessen

lässt, die einem ein Lachen ins Gesicht und die Tränen in die Augen zaubert.

 

Der Motor und der Beifahrer (OK, auch der Fahrer) schreien wie ein alter Formel 1-Bolide, die Allrad-

Traktion ist nicht von dieser Welt und verbeißt sich so brutal in den Asphalt, dass es einen fast die Hände

vom Lenkrad löst. Je länger man Zeit mit dem Boliden verbringt, desto mehr wird klar – der spielt nicht in

der Oberliga, der IST die Oberliga.

 

Eine Oberliga, die wiederum in drei Fahrstufen unterteilt ist. „Strada“, das steht für Golf-Verhalten.

Leicht und leichtgängig, flink und leise, gut um 4 Uhr morgens im Flüstermodus nach Hause und durch die

gesetzlichen Lärmbestimmungen zu kommen.

 

„Sport“ steht für, nun ja, Sport. Schärfere Kennlinien, spontanere Gasannahme.

Aber bei „Corsa“, da geht’s ans Eingemachte. Das Fahrverhalten lässt sich hier am besten beschreiben.

Natürlich lässt sich in den anderen Modi mittels beherztem Gasstoß die Naturgewalt, die im orangefarbenen

Biest schlummert, auch abrufen, mit dem Corsa-Taktstab in der Hand verbläst der Aventador aber nicht nur

Rivalen sondern auch den Verstand.


Das Testurteil.

 

Plus

+ atemberaubendes Aussehen

+ brachiale Fahrleistungen

+ hoher Fahrkomfort

 

Minus

ich bitte Sie

 

Unser Eindruck

Verarbeitung: 1

Ausstattung: 1

Bedienung: 1

Komfort: 1

Verbrauch: 3

Fahrleistung: 1+++!

Sicherheitsausstattung: 1

 

Resümee

Wir verweisen auf den obenstehenden Beitrag.

 

 

Link zum Artikel der Motorline: http://www.motorline.cc/autowelt/index.php/article=171845